Die Niddertalbahn ist kein reines Pendlerverkehrsmittel. Wer einmal an einem Samstagnachmittag in den Wagen steigt, sieht schnell, dass viele Fahrgäste Wanderstiefel tragen, Fahrräder mitführen oder Kinder im Schlepptau haben. Die Strecke zwischen Bad Vilbel und Nidda erschließt eine Region, die für Tagesausflüge deutlich mehr hergibt, als die meisten Fahrgäste auf den ersten Blick vermuten.
Warum die Bahn beim Ausflug die bessere Wahl ist
An Wochenenden und Feiertagen sind Parkplätze an beliebten Ausflugszielen oft das größte Problem. Wer mit dem Auto anreist, verbringt manchmal zwanzig Minuten mit der Parkplatzsuche, zahlt drei bis fünf Euro Parkgebühr und kommt gestresst an. Wer mit der Bahn fährt, steigt direkt aus und beginnt den Ausflug. Das klingt banal, macht in der Praxis aber einen spürbaren Unterschied, besonders mit Kindern.
Dazu kommt der finanzielle Aspekt. Das Deutschlandticket hat die Schwelle nochmals gesenkt, aber auch ohne Flatrate-Angebot ist eine Fahrt im RMV-Verbundtarif für Familien oft günstiger als Spritkosten und Parkgebühren zusammen. Wer diese Rechnung einmal konkret aufstellt, kommt meistens zu einem klaren Ergebnis.
Ausflugsziele entlang der Strecke und in der Nähe
Direkt am Streckenverlauf gibt es mehrere lohnende Haltepunkte. In Nidda selbst empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Altstadt mit dem historischen Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Der Marktplatz ist gut erhalten, die Wege sind kurz, und das Städtchen ist auch für kleinere Kinder gut zu Fuß zu erkunden. Fahrzeit ab Bad Vilbel: rund 55 Minuten.
Wer naturkundlich interessiert ist, steigt in Stockheim aus. Von dort sind es wenige Minuten zu Fuß bis an den Rand des Vogelsbergs, einem der größten zusammenhängenden Vulkangebiete Europas. Geologisch ist das Gebiet außerordentlich interessant; wer sich vorab informieren möchte, findet auf der Seite des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie gute Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte der Region.
Erlebnispark Steinau: ein Ausflugsziel für Familien
Etwas weiter entfernt, aber gut mit dem öffentlichen Nahverkehr kombinierbar, liegt Steinau an der Straße. Die Stadt ist vor allem als Geburtsort der Gebrüder Grimm bekannt, hat aber auch für jüngere Besucher einiges zu bieten. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte den Ausflug zum Erlebnispark Steinau in die Planung einbeziehen, der direkt vor Ort Unterhaltung für verschiedene Altersgruppen bietet.
Die Anreise funktioniert ab Nidda mit dem Bus Richtung Schlüchtern, von dort weiter mit der Bahn nach Steinau. Wer die Verbindung plant, sollte mindestens eine Stunde Reisezeit einkalkulieren und vorab im RMV-Fahrplanauskunftssystem nachschauen, da die Taktung auf diesem Abschnitt nicht stündlich ist. Wer den Tag gut plant, hat in Steinau aber locker vier bis fünf Stunden Zeit zwischen Erlebnispark, Grimm-Museum und Stadtspaziergang.
Wanderungen ab der Niddertalbahn
Für Wanderer bieten fast alle Haltepunkte zwischen Nidder und Nidda einen direkten Einstieg ins Wegenetz. Besonders empfehlenswert sind zwei Strecken:
- Ab Haltepunkt Nidderau-Eichen: Rund siebeneinhalb Kilometer durch die Nidderaue, flach und auch für Kinder gut geeignet. Rückfahrt ab Stockheim möglich.
- Ab Ortenberg: Aufstieg zur Ortenburg mit Blick über die Wetterau. Etwa vier Kilometer bis zur Burg, Einkehrmöglichkeit vorhanden. Gesamtgehzeit hin und zurück rund zwei Stunden.
Beide Routen lassen sich mit dem Fahrrad verlängern. Die Niddertalbahn nimmt Fahrräder mit, sofern ausreichend Platz vorhanden ist. An Wochenenden im Sommer kann es eng werden; wer auf Nummer sicher gehen will, fährt vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr.
Historische Städte in der Region
Bad Vilbel am südlichen Ende der Strecke ist zwar Startpunkt, aber kein Endpunkt der Möglichkeiten. Von dort aus sind Frankfurt und die Innenstadt in wenigen Minuten per S-Bahn erreichbar. Wer lieber in der Wetterau bleibt, fährt nach Friedberg: eine gut erhaltene Fachwerkstadt mit dem ältesten erhaltenen jüdischen Ritualbad nördlich der Alpen. Das Mikwe in Friedberg stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist heute ein Kulturdenkmal von europäischem Rang. Informationen zur Geschichte jüdischer Kulturgüter in Hessen stellt das Wikipedia-Artikel zur Mikwe Friedberg übersichtlich zusammen.
Friedberg ist ab Bad Vilbel mit der S6 in etwa zwölf Minuten erreichbar. Der Eintritt ins Mikwe kostet für Erwachsene drei Euro, für Kinder unter 14 Jahren ist er frei. Das Stadtbild mit der Adolfsturm-Ruine und dem Marktplatz lässt sich in zwei Stunden gut erfassen, ohne zu hetzen.
Praktische Hinweise für die Planung
Wer Ausflüge mit der Niddertalbahn plant, sollte ein paar Dinge im Kopf behalten. Die Bahn fährt am Wochenende im Stundentakt; der letzte Zug Richtung Bad Vilbel geht je nach Saison zwischen 21 und 22 Uhr ab Nidda. Wer diesen verpasst, ist auf einen Ersatzbus oder ein Taxi angewiesen, beides unbequem und teuer.
Fahrräder sind im Zug auf den ausgewiesenen Stellplätzen unterzubringen. Bei größeren Kindergruppen oder Schulklassen empfiehlt es sich, vorab beim RMV nachzufragen, ob eine Reservierung möglich ist. Kinderwagen passen problemlos rein; der Einstieg ist an den neueren Fahrzeugen niveaugleich mit dem Bahnsteig.
Ausflüge mit der Bahn erfordern etwas mehr Planung als die Fahrt mit dem Auto, belohnen das aber mit einem entspannteren Reisetag. Wer einmal die Rückfahrt im Zug statt im Stau verbracht hat, weiß den Unterschied zu schätzen.